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Scheibenwischergeschichte: Vom Prinzen zum Elektromotor

Scheibenwischergeschichte: Vom Prinzen zum Elektromotor

In Deutschland war die Entwicklung von Autowischern zunächst eine Angelegenheit für den Adel. Prinz Heinrich v. Preußen, der Bruder von Prinz Wilhelm II, war vernarrt in schnelle Autos und bekannte sich als großer Fan zum Autorennsport. Er fuhr einen fünf PS starken Dampfwagen und liebte es mit dem offenen Auto hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. In Bekanntenkreisen galt Heinrich von Preußen als waghalsiger Rennfahrer. Bei seinen vielen rasanten Fahrten störte es ihn immer, dass bei Regen, die Sicht so stark beeinträchtigt wurde.

Es ist nicht übermittelt, ob Prinz Heinrich die Idee für Scheibenwischer bei einem seiner zahlreichen Unfälle kam. Es ist aber auch egal, ob er den Einfall im Straßengraben hatte oder ob es doch ein Geistesblitz beim Rauchen von einer Zigarette war. Fest steht, im Jahr 1905 hat Heinrich von Preußen seine Erfindung von „einem Scheibenreiniger für die vordere Schutzscheibe an Kraftfahrzeugen“ zum Patent angemeldet.

Scheibenwischer, Abstreiflineal, Wischer - viele Namen, viele Väter

Dass es seine Idee war, ist aber nur die halbe Wahrheit. 1903 hat in Amerika bereits die Bauunternehmerin Mary Anderson einen Scheibenwischer zum Patent angemeldet. [Link] Dass Preußen sich daran orientiert hat, ist aber unwahrscheinlich. Seine Version des Scheibenreinigers baut auf die grundlegende Idee des Irischen Erfinder James Henry Apjohn auf. Dieser ließ 1903 seine Vorrichtung zum Reinigen von Kutschen, Automobilen und anderen Fenstern patentieren.

Im Unterschied zu Anderson und Prinz Heinrich verwendete Apjohn allerdings Bürsten und somit waren seine Scheibenbürsten nicht der Renner.

Prinz Heinrich und Bosch Skizzen für Scheibenwischer

vom Handbetrieb zum Elektroantrieb

Bosch macht die Scheibenwischer massentauglichPrinz Heinrich war aber mit der Handhabung seiner Variante der Scheibenwischer nicht gänzlich zufrieden. So kam es, dass der Prinz auch 1912 und 1913 verbesserte Versionen, des sogenannten Abstreiflineals patentieren ließ. Alle diese Systeme waren per Hand betrieben. Ein Zustand, der aus der Sicht von Robert Bosch nicht massentauglich war. Deshalb entwickelte Bosch einen Scheibenwischer mit Elektromotor. 1926 ging der Autoteilezulieferer zum ersten Mal mit dieser automatischen Apparatur an den Markt.

Und das war der Durchbruch für die Scheibenwischer. Diese Boschwischer machten das Autofahren sicherer, ohne den Fahrer abzulenken, weil er den Wischer mühevoll per Hand betätigen musste. Noch im selben Jahr fingen mehrere deutsche Automobilhersteller an ihre Fahrzeuge mit Bosch-Wischern auszustatten.

Wie die Scheibenwischer von Bosch in den kommenden achtzig Jahren weiterentwickelt wurden, erfahren sie in unserem nächsten Teil der Scheibenwischergeschichte.

tl;dr

Der schnelle Prinz Heinrich, die Erfinder von Bosch und fertig ist der Elektrowischer.