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Scheibenwischergeschichte: Sektkorken führt zum Patentstreit


Robert KearnsWas haben Hochzeiten nur mit Scheibenwischern zu tun? Es gibt viele Dinge die in einer Hochzeitsnacht passieren können. Sicherlich sind die meisten Möglichkeiten schön. Die Freunde erheitern die Hochzeitsgesellschaft mit witzigen Kindheitsanekdoten, der Hochzeitstanz führt zu neuerlichen Tränenströmen und jede Menge Sektkorken hinterlassen ihre Spuren an der Saaldecke als Zeugnis einer unvergessenen Nacht. Einer dieser Sektkorken hat sich 1953 bei der Hochzeitsfeier von Robert Kearns in dessen Auge verirrt und dieses fast komplett zerstört. Die meisten Bräutigame würden sicherlich nun an nichts denken, außer das kaputte Auge und die desaströse Hochzeitsnacht im Krankenhaus. Robert Kearns hingegen brachte dieser Schuss ins Auge auf eine Idee, die den Scheibenwischer revolutionieren sollte.



Wie ein Auge

Intervallschaltung vom Augenlid inspiriert.

Die Bewegung des Lids inspirierte Kearns. So begann er, nach Genesung und verspäteter Hochzeitsnacht, an seiner Idee zu tüfteln. Das Ergebnis, eine Intervallschaltung für Scheibenwischer, meldete der Ingenieur 1962 zum Patent an. Bereits kurz danach präsentierte Kearns seine Erfindung bei der Ford Motor Company. Warum er nicht abwartete, bis sein Patent eingetragen wurde, kann wahrscheinlich nur er selbst verraten. Vielleicht hatte Kearns einfach blindes Vertrauen zu der Firma, in dessen Nähe er aufgewachsen ist. Ford hatte, zumindest vorgeblich kein Interesse an dem Intervall System und am 7. November 1967 wurde Robert Kearns erstes Patent zum Intervallscheibenwischer erteilt.




Patentverletzung

Kearns erfand das Intervallsystem für Scheibenwaschanlagen

Sektkorken ließ er aber nicht knallen, denn für den Erfinder entwickelte sich die Geschichte keinesfalls zu einem prickelnden Vergnügen. Sein Sohn kaufte in diesem Jahr einen Mercedes und Kearns stellte fest, dass der dort verwendete Schaltkreis nahezu identisch mit seinem war. Ford setzte dem Ganzen die Krone auf, als das Unternehmen 1969 anfing, Kearns Erfindung zu verbauen. Andere Autohersteller folgten in Kürze und Kearns erlitt einen Nervenzusammenbruch und wurde mehrere Tage in Krankenhaus behandelt.

Daraufhin verklagte Kearns Ford auf eine Schadensersatzzahlung von 141 Millionen US-Dollar und erhob zudem Klage gegen 26 weitere Autohersteller weltweit. Ein langjähriger Rechtsstreit entbrannte. Nach zwölf Jahren Prozess bot Ford an, den Fall zu schließen. Kearns schlug dieses Angebot aus und hörte auf seinen Anwalt, der ihm bis zu 50 Millionen Dollar in Aussicht stellte, für den Fall, dass er gewinnen sollte.







Gescheiterte Ehe aber Sieg vor Gericht

Mit dieser Aussicht blieb Kearns uneinsichtig – sehr zum Leidwesen seines Privatlebens. 1989 ließ sich seine Frau Phyllis Kearns von ihm scheiden. Später sagte sie in einem Interview mit dem Peoples Magazin: „Es kam zu einem Punkt, an dem es nichts mehr gab, außer die Gerichtsverfahren.“ 1990 gewann Kearns den Prozess dann schließlich. Ford wurde zu einer Zahlung von 10,2 Millionen US-Dollar wegen unbeabsichtigter Patentverletzung verurteilt. Später im selben Jahr gewann der hartnäckige Erfinder auch einen weiteren Prozess. Chrysler musste mehr als 20 Millionen US-Dollar an Kearns zahlen. Die anderen Gerichtsprozesse gegen japanische und deutsche Autobauer, wurden fallengelassen, nachdem Kearns einige formelle Fehler begangen hatte. So versäumte er zum Bespiel Fristen und Termine.



Hollywoodreife Geschichte

Flash of Genius

Die Geschichte von Robert Kearns ist so einzigartig, dass sie sogar verfilmt wurde. Flash of Genius aus dem Jahr 2008, erzählt die Story um den Patenstreit und wie auch sein Privatleben darunter zu Grunde ging. Es begann in der Hochzeitsnacht und überlebte am Ende sogar die Ehe. Gescheiterte Ehe aber Millionär.

Da könnte man meinen, dass Mary Anderson, die Erfinderin der Scheibenwischer, ein besseres Los gezogen hat. Auch wenn sie zu früh dran war mit ihrer Erfindung. Lesen Sie die komplette Geschichte von Mary Anderson in unserem Blog.




tl;dr

Knapp 35 Jahre nach der Erfindung, gibt es den Lohn auf Kosten der Ehe.